Gottesdienst am Sonntag Okuli, 23. Februar 2025

Sun, 23 Mar 2025 04:33:33 +0000 von Angelika Breymann

Der Frieden Gottes sei mit euch allen. 

Gott ruft uns. Wir sollen ihm folgen. Und er ist für uns da. 
Wir vertrauen uns ihm an.  
„Unsere Augen sehen stets auf den Herren“, heißt es in Psalm 25. Auf Latein beginnt dieser Vers mit „Oculi nostri“. Davon hat unser heutiger Sonntag seinen Namen: „Okuli“.
So grüße ich alle herzlich an diesem Tag.
Gnade sei mit euch von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!
 
Wie wird das Leben gut?
Unter dieser Überschrift steht eine Einheit in unserer Konfirmandenarbeit. Stellen wir uns nicht immer wieder diese Frage? Wie wird das Leben gut? Und was können wir dafür tun? Für uns selbst, aber auch für unsere Kinder. Was können wir ihnen weitergeben? Was uns selbst wichtig ist, wollen wir bewahren. Wir wünschen uns Glück und Zufriedenheit. Wir hoffen auf ein sinnerfülltes Leben.
 
Aber das heißt nicht unbedingt, dass jeder Traum sich erfüllt. Selbst wenn sie Wirklichkeit werden, ist nicht alles leicht. Da hat man sich für ein Vorhaben, für einen Weg, für eine Aufgabe entschieden. Es war alles so klar. Man stand dahinter, war bei der Sache, oder meinte zumindest: Ja, ich machte das und ich schaffe das auch. Aber dann ist alles mühevoller als gedacht. Irgendwie kommt man nicht weiter. Schwierigkeiten stellen sich ein. Man fängt an zu zweifeln, an sich und an der Sache auch. 
 
So ähnlich ging es Jeremia. Der Prophet lebte so um das Jahr 600 v. Chr. gelebt. Er verkündete Gottes Wort. Gott selbst hatte ihm diese Aufgabe angetragen. So mahnte Jeremia das Volk Israel, Gottes Gebote zu halten. Unmenschlichkeit prangerte er an. Auch in politischen Dingen erhob er seine Stimme und warnte vor falschen Bündnissen. Im Namen Gottes, legte sich Jeremia immer wieder mit Leuten an – mit Kleinen und mit Großen auch. Er stellte sich sogar gegen die Meinung des Königs und seiner Oberen. Das wurde nicht gern gehört. Man kann es sich gut vorstellen. Und so war Jeremia ziemlich allein. Auch den Priester Paschhur verärgerte er. Der ließ Jeremia schlagen und am Tor in der Nähe des Tempels für einen Tag und eine Nacht in den Block legen, also mit Händen, Füßen und Hals in ein Balkengerüst spannen, so dass er sich nicht bewegen konnte. Und die Leute gingen an ihm vorbei und sahen ihn – es mag sein, dass sie ihn auch schlugen oder anspuckten, wehren konnte er sich ja nicht; und in der Nacht mag es kalt gewesen sein.
Für Jeremia war es schwer geworden mit seiner Aufgabe. Er fing an zu zweifeln, an seinen Fähigkeiten, an seinem Amt, an sich selbst.  „Wieso tue ich das alles eigentlich?“, hat er gedacht und vielleicht auch: „Ich will nicht mehr!“
 
Ich lese dazu aus der Bibel Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia Kapitel 20: 
Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich in deinem Auftrag rede, muss ich Unrecht anprangern. »Verbrechen!«, muss ich rufen, »Unterdrückung!« Und das bringt mir nichts als Spott und Hohn ein, Tag für Tag.
Aber wenn ich mir sage: »Ich will nicht mehr an Gott denken und nicht mehr in seinem Auftrag reden«, dann brennt dein Wort in meinem Innern wie ein Feuer. Ich nehme meine ganze Kraft zusammen, um es zurückzuhalten – ich kann es nicht.
Viele höre ich tuscheln, sie nennen mich schon »Schrecken überall«. Die einen fordern: »Verklagt ihn!« Die anderen sagen: »Ja, wir wollen ihn anzeigen!« Sogar meine besten Freunde warten darauf, dass ich mir eine Blöße gebe. Doch du, HERR, stehst mir bei, du bist mein mächtiger Beschützer! Deshalb kommen meine Verfolger zu Fall, sie richten nichts aus. (Jer 20,7-10a.11a)
 
Ein Leben mit Gott. Das ist nicht nur Honigschlecken. Es kann auch mühevoll sein. 
Die Jünger Jesu haben es erlebt. Und Jesus selbst auch. Er hat die ganze Liebe Gottes zu den Menschen gebracht. Dafür brach er mit mancher Konvention. Einige verstanden ihn nicht, vor allem die, die ihre Machtposition dadurch infrage gestellt sahen. Sie haben Jesus verklagt und ans Kreuz gebracht. Aber die anderen sahen ihre ganze Hoffnung in ihm. Geld und Gut interessierten ihn nicht, auch nicht Einfluss und Ehre. Bei all den ganzen Spielchen um Herrschaft, um Ansehen, um Reichtum und Ruhm machte er nicht mit – sie bringen doch so viel Ungerechtigkeit und Leid. Einer nimmt uns an.  Er nimmt uns vielmehr an. Er begegnet uns freundlich. Er sieht uns als Mensch. Dich und mich. Und das ist gut.
 
Ich sage nicht, dass alles einfach ist. 
 Auch nicht das Leben mit Jesus und Gott. 
Man kann durchaus ins Fragen kommen:
Wieso halte ich mich zu Gott? 
 Wieso gehe ich in die Kirche?
 Wieso lasse ich mein Kind taufen?
 Wieso gehe ich eigentlich zum Konfirmandenunterricht, treffe mich regelmäßig zu Gruppenstunden und stehe sogar sonntags früh  – und vielleicht macht sich ein Gleichaltriger sogar noch lustig über mich?
Wieso engagiere ich mich in der Kirche und in der Gemeinde, und andere verstehen das nicht oder ich werde innerhalb der Gemeinde kritisiert?
 
Gott ist barmherzig und freundlich. Er will uns Liebe und Leben schenken. Alle Menschen sollen es erfahren. Auch durch uns. Dazu ruft er uns. 
Ja, das bedeutet dann auch, Flagge zu zeigen, wenn es drauf ankommt. 
Es heißt, deutliche Worte zu finden gegen Ungerechtigkeit und sich einzusetzen für die, die ausgegrenzt werden, die unterdrückt oder ausgenutzt werden und die Not leiden. 
Aber ist doch gut, wenn Menschen füreinander da sind. So wollen wir es doch – für uns und für unsere Kinder!
 
Wir leben mit Gott aus einer Liebe, die größer ist als das, was wir Menschen einander geben können. 
Wir finden Kraft, die mehr ist als das, was aus uns selbst kommt. 
Wir erfahren von einer Barmherzigkeit, die weit übersteigt, was wir vermögen.
Er gibt uns einen Halt im Leben, der stärker ist als das, was Menschen geben können. 
Das alles verspricht er uns.
 
Von einem inneren Feuer spricht Jeremia, der Prophet, das durch Gott in ihm brennt. 
Das lässt ihn handeln. Deshalb tut er, was er tut – zum Wohle der Menschen und Gott zur Ehre.
Und er erfährt, dass Gott bei ihm ist, ihn stärkt und hält, ihm hilft. 
Amen.

Und der  Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Angelika Breymann
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